Betriebliches Eingliederungsmanagement

By: | Tags: | Comments: 0 | Juli 19th, 2017

Der demographische Wandel und die zunehmende Arbeitsverdichtung haben Auswirkungen auf die Gesundheit von Beschäftigten. Im Zuge der demographischen Entwicklung wird das Erwerbspersonenpotenzial zukünftig weiter abnehmen und die Erwerbsbevölkerung im Durchschnitt älter werden. Außerdem treten bei Beschäftigten vermehrt gesundheitliche Probleme auf, die in einem direkten Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen stehen.

Am 01. Mai 2004 ist das Gesetz über das Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) in Kraft getreten (§ 84 Abs. 2 SGB IX). Die Arbeitgeber sind somit verpflichtet, länger erkrankten Beschäftigten ein BEM anzubieten. Darunter fallen alle Beschäftigten die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen am Stück oder in Summe arbeitsunfähig waren. Die Zielsetzung des BEM ist, die Überwindung der Arbeitsunfähigkeit, die Vorbeugung einer erneuten Arbeitsunfähigkeit und der Erhalt des Arbeitsplatzes. Das gesamte BEM-Verfahren beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit der Teilnahme und kann daher nur mit Zustimmung des Beschäftigten durchgeführt werden.

Arbeitsunfähigkeit kommt allen teuer zu stehen. Die Betroffenen selbst haben Einbußen in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität außerdem verursacht es hohe volkwirtschaftliche Kosten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) schätzt diese Kosten seit Jahren. Im Jahr 2015 schätzt die BAuA die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle auf insgesamt 64 Milliarden Euro bzw. den Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 113 Milliarden Euro.

 

Aber wie läuft Betriebliches Eingliederungsmanagement genau ab?

Ein allgemeingültiges Konzept für ein erfolgreiches BEM gibt es nicht. Arbeitgeber und Beteiligte sollen das Verfahren möglichst konkret und individuell gestalten können. Folgende Kernelemente sind aber gegeben:

Schritt 1: Die Feststellung einer länger als sechswöchigen Arbeitsunfähigkeit einer/eines Beschäftigten

Schritt 2: Kontaktaufnahme zur/zum betroffenen Beschäftigten

  • Ziel ist die Unterrichtung der/des Betroffenen über das Angebot des BEM. Wichtig: die Teilnahme freiwillig ist und alle gesammelten Daten unterliegen dem Datenschutz.
  • Herstellung einer Vertrauensbasis.
  • Wenn sich herausstellt, dass ein BEM notwendig bzw. sinnvoll ist und die/der betroffene Mitarbeitende einverstanden ist, wird ein Erstgespräch vereinbart.

Schritt 3: Das Führen des Erstgesprächs

  • Betroffene Mitarbeitende können einzelne Teilnehmer am Gespräch bestimmen, wie z.B. ein Mitglied der Interessenvertretung oder der Schwerbehindertenvertretung, eine Vorgesetzte/ein Vorgesetzter oder auch eine andere Vertrauensperson.
  • Ziel: Vertrauensbasis weiter aufbauen und vollständige Unterrichtung über Verfahren, Sinn und Zweck des BEM.
  • Erst im Anschluss erfolgt die Unterzeichnung der Einverständniserklärung durch den Arbeitnehmer.

Schritt 4: Die Fallbesprechung

  • In der Regel sollten je nach Fallgestaltung und mit Zustimmung der Betroffenen folgende Personen bei der Fallbesprechung hinzugezogen werden:
    • der/die Betroffene
    • die/der BEM-Beauftragte
    • die betrieblichen Interessenvertretungen
    • die Schwerbehindertenvertretung (bei Schwerbehinderten)
    • der Betriebs- oder Werksarzt
    • die Fachkraft für Arbeitssicherheit
    • (eine Vertretung des Arbeitgebers)
  • Ziel: Erfassung aller relevanten Informationen, die mit der Gesundheitssituation der/des Beschäftigten zu tun haben können.
  • Abschließend formulieren die teilnehmenden ein Konzept. Dieses kann Elemente der Prävention, der Rehabilitation und Integration umfassen.

Schritt 5: Maßnahmen festlegen

  • Maßnahmen aus den Handlungsfeldern Arbeitsorganisation, Arbeitsumfeld, Arbeitszeit und Arbeitsplatz.
  • Folgende Maßnahmen können z.B. eingeleitet werden:
    • Beschaffung oder Einsatz von technischen Hilfsmitteln
    • Anpassung des Arbeitsplatzes
    • Anpassung der Arbeitszeiten
    • die stufenweise Wiedereingliederung
  • Sollte aufgrund der Erkrankung ein Einsatz am alten Arbeitsplatz nicht mehr möglich sein, muss über eine alternative Tätigkeit nachgedacht werden.

Schritt 6: Durchführung der beschlossenen Maßnahmen

  • Umsetzung der Maßnahmen mit dem Ziel die Arbeitsunfähigkeit zu durchbrechen, einer erneut auftretenden präventiv entgegenzuwirken sowie den Erhalt des Arbeitsplatzes zu ermöglichen.

Schritt 7: Wirksamkeitsprüfung, Evaluation und Dokumentation

  • Dokumentation der Maßnahmen.
  • Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und ggf. Anpassung oder Verbesserung.

 

Sie haben Fragen zum BEM oder möchten einen BEM-Prozess in Ihrem Unternehmen implementieren? Gerne beantworten wir Ihre Fragen und beraten Sie. Kontaktieren Sie uns!

 

 

Quellen:

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (Hrsg.) (2014). Leitfaden zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Praxishilfe für die Beratung der UV-Träger in den Betrieben. Berlin

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg). Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2015.

Die Initiative Gesundheit & Arbeit: Iga.Report 24 (2013). Betriebliches Eingliederungsmanagement in Deutschland – eine Bestandsaufnahme.

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